literatur und theater

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Archiv für die Kategorie ‘Lyrikbearbeitungen

Szenen zu Texten von Ulla Hahn und Franz Kafka

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Möglicherweise haben die Texte von Ulla Hahn nichts miteinander zu tun, möglicherweise kann man sie aber auch in Beziehung zueinander setzen.
Ich möchte hier nichts vorwegnehmen und bin sehr gespannt auf die Ergebnisse.

Mit Haut und Haar Ulla Hahn

Ich zog dich aus der Senke deiner Jahre

und tauchte dich in meinen Sommer ein

ich leckte dir die Hand und Haut und Haare

und schwor dir ewig mein und dein zu sein.

Du wendetest mich um. Du branntest mir dein Zeichen

mit sanftem Feuer in das dünne Fell.

Da ließ ich von mir ab. Und schnell

begann ich vor mir selbst zurückzuweichen

und meinem Schwur. Anfangs blieb noch Erinnern

ein schöner Überrest der nach mir rief.

Da aber war ich schon in deinem Innern

vor mir verborgen. Du verbargst mich tief.

Bis ich ganz in dir aufgegangen war:

da spucktest du mich aus mit Haut und Haar.

Kleine Fabel Franz Kafka

„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

Geschrieben von ottoessig

November 26, 2009 um 6:58

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Szenische Bearbeitung des Themas „Zeit“

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Arbeit mit Textfragmenten in Einzel- und Gruppenpräsentation. Erarbeitung einer Performance in der Gruppe mit eigenem Text zum Thema „Zeit“ und mit Textfragmenten aus „Die Zeit geht nicht“ von Gottfried Keller  und „Kinder wie die Zeit vergeht“ von Kontad Balder Schäuffelen.

Gottfried Keller

Die Zeit geht nicht, sie stehet still,
Wir ziehen durch sie hin;
Sie ist ein Karawanserei,
Wir sind die Pilger drin.

Ein Etwas, form-und farbenlos,
Das nur Gestalt gewinnt,
Wo ihr drin auf und nieder taucht,
Bis wieder sie zerrinnt.

Es blitzt ein Tropfen Morgentau
Im Strahl des Sonnenlichts –
Ein Tag kann eine Perle sein
Und hundert Jahre  – Nichts!

Es ist ein weißes Pergament
Die Zeit, und jeder schreibt
Mit seinem besten Blut darauf,
Bis ihn der Strom vertreibt.

An dich, du wunderbare Welt,
Du Schönheit ohne End,
Schreib ich ‚nen kurzen Liebesbrief
Auf dieses Pergament.

Froh bin ich, dass ich aufgetaucht
In deinem runden Kranz;
Zum Dank trüb ich die Quelle nicht
Und lobe deinen Glanz!

Günter Eich

Augenblick im Juni

Wenn das Fenster geöffnet ist,
Vergänglichkeit mit dem Winde hereinweht,
mit letzten Blütenblättern der roten Kastanie
und dem Walzer „Faszination“
von neunzehnhundertundvier,
wenn das Fenster geöffnet ist
und den Blick freigibt auf Flußhafen und Stapelholz,
das immer bewegte Blattgewirk der Akazie, -
wie ein Todesurteil ist der Gedanke an dich,
Wer wird deine Brust küssen
Und deine geflüsterten Worte kennen?
Wenn das Fenster geöffnet ist
Und das Grauen der Erde hereinweht -
Das Kind mit zwei Köpfen,
- während der eine schläft, schreit der andere -
es schreit über die Welt hin
und erfüllt die Ohren meiner Liebe mit Entsetzen,
(Man sagt, die Mißgeburten nähmen seit Hiroshima zu.)

Wenn das Fenster geöffnet ist, gedenke ich derer,
die sich liebten im Jahre neunzehnhundertundvier
und der Menschen des Jahres dreitausend,
zahnlos, haarlos.

Wem gibst du den zerrinnenden Blick, der einst mein war?

Unser Leben, es fähret schnell dahin als flögen wir davon
und in den Abgründen wohnt verborgen das Glück.

Geschrieben von ottoessig

November 15, 2009 um 10:53

Isabel Tuengerthal Der Falter

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Der Falter Isabel Tuengerthal

Wenn der Falter fliegt,
Denkt er dann,
Sobald das Licht ihn trifft,
An Untergang?
Oder fühlt er nur neuen Lebensmut?
Durchs Licht
Die Liebe
Und stürzt sich freudig in die Glut? Wenn der Falter glüht,
ist er dann
Seinem Traum ganz nah
Oder ist ihm bang?
Verflucht er seine Leidenschaft
Und stemmt die Flügel gegens Licht
mit allerletzter Kraft?

Wenn der Falter stirbt,
Fühlt er dann
Seines Herzens letzten Schlag
Und weißt er dann
Dass dieses Licht ihn mit Undendlichkeit belohnt,

Dass mit dem Licht sich sein ganzes Leben gelohnt?

Geschrieben von ottoessig

Oktober 8, 2009 um 5:59

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Lyrik handlungsorientiert

mit einem Kommentar

Jakob van Hoddis (1887-1942)

1 Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
2 in allen Lüften hallt es wie Geschrei.
3 Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
4 und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

5 Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
6 an Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
7 Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
8 Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut Hut

Tanzen: A Wah, dabei dem Tänzer mit Hut denselben klauen. Der greift sich an den Kopf und sagt: oha / welch ein Wind / na so was / unerklärlich

In allen Lüften hallt es wie Geschrei Hugues Le Bars 4 (2Minuten)

Gehen, dabei sich immer wieder umsehen, woher die Gefahr, die Laute kommen

Dachdecker stürzen ab und gehen entzwei Hugues le Bars 5

Im Raum schnell gehen und die Nachrichten hinausrufen

Der Dax ist um 10 Punkte gefallen

Dow Jones bricht ein

Lehmannbrothers pleite

Raubtierkapitalismus

Ackermann verzichtet auf seinen Bonus

Erste Firmenzusammenbrüche

Der große Crash!

An den Küsten steigt die Flut. Zeitungen

Zeitung aufschlagen: lesen(Gruppenregie)

Die Flut steigt

Wenn das nur gut geht

Man hätte schon längst die Dämme erhöhen müssen

Das sieht sehr ungünstig aus

Hier steht was über mögliche Schäden

Katastrophenwarnung

Das hat uns gerade noch gefehlt

Ich sag mal: Mist verdammter

Hier steht: der Sturm ist da

(Schweigen)Zusammenfalten der Zeitung und ablegen

Alle Darsteller gehen schnell durch den Raum

Abwechselndes Sprechen: die wilden Meere hupfen an Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

· Ich bin der Indische Ozean, ich kann Ihnen sagen, ich habe schon ganz schön gewütet, seitdem ich an Land gesprungen bin und davor schon.

· Ostsee, ich bin bei Schwerin an Land gehüpft. Seitdem zerdrücke ich dicke Dämme

Wir sind hier, um dicke Dämme zu zerdrücken (Mehr zum Publikum)

Komm du dicker Damm, lass dich zerdrücken

Wieviele Dämme hast du denn schon zerdrückt? Antwort oder Ablehnung

Bei Zeitung stehenbleiben und nehmen

Die meisten Menschen haben einen Schnupfen Stehen mit Zeitung

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken Hugues Le Bars 7

dann:

Durcheinanderlesen

»Wann treffen wir drei wieder zusamm’?«

»Um die siebente Stund’, am Brückendamm.«

»Am Mittelpfeiler.« »Ich lösche die Flamm’.«

»Ich mit.«

»Ich komme vom Norden her.«

»Und ich von Süden.«

»Und ich vom Meer.«

»Hei, das gibt ein Ringelreihn,

Und die Brücke muß in den Grund hinein.«

»Und der Zug, der in die Brücke tritt

Um die siebente Stund’?«

»Ei der muß mit.«

»Muß mit.«

»Tand, Tand,

Ist das Gebilde von Menschenhand.«

Geschrieben von ottoessig

Oktober 22, 2008 um 4:40

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Ingeborg Bachmann „Reklame“ (Lyrik handlungsorientiert)

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Reklame

Wohin aber gehen wir

ohne sorge sei ohne sorge

wenn es dunkel und wenn es kalt wird

sei ohne sorge

aber

mit musik

was sollen wir tun

heiter und mit musik

und denken

heiter

angesichts eines Endes

mit musik

und wohin tragen wir

am besten

unsre Fragen und den Schauer aller Jahre

in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge

was aber geschieht

am besten

wenn Totenstille

eintritt

(Informationen zur handlungsorientierten Umsetzung können in Form eines Kommentars angefordert werden.)

Geschrieben von ottoessig

Oktober 15, 2008 um 2:50

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Hermann Hesse

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Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Wenn jemand weitere Informationen zur Umsetzung möchte, kann diese in Form eines Kommentars anfordern.

Geschrieben von ottoessig

Oktober 15, 2008 um 2:44

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Lyrikbearbeitung „Kindertotenlieder“

mit einem Kommentar

Friedrich Rückert Kindertotenlieder

Du bist ein Schatten am Tage

Und in der Nacht ein Licht

Du lebst in meiner Klage

Und stirbst im Herzen nicht

Wo ich mein Zelt aufschlage

Da wohnst du bei mir dicht

Du bist ein ein Schatten am Tage

Und in der Nacht mein Licht

Wo ich auch nach dir frage

Find ich von dir Bericht

Du lebst in meiner Klage

Und stirbst im Herzen nicht

Du bist ein Schatten am Tage

Und in der Nacht ein Licht

Du lebst in meiner Klage

Und stirbst im Herzen nicht.

Wer sich für die handlungsorientierte Umsetzung bzw. Interpretation des Gedichtes interessiert, kann auf Anfrage die Anleitung dazu bzw. auch Informatinen zur verwendeten Musik erhalten.

Geschrieben von ottoessig

Oktober 14, 2008 um 7:47

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