Archiv für Januar 2010
NO Theater Litheater 13.1 GFS
No-Theater GFS Karin Lambert 13.1
Nō -Theater
Präsentiert sich heute als ein komplexes Gesamtkunstwerk aus Schauspiel, Tanz, dramatische Dichtung, Poesie, Gesang und Instrumentalspiel, die in einer vollkommenen Synthese zusammenwirken
- erste eigenständige Form einer dramatisch-dialogischen Bühnenkunst
- 1400 von Zeami Motokiyo ( Schauspieler, Dichter, Sänger, Theoretiker ) geschaffen
- angeregt durch Samuraiadel, die auf der Suche nach einer Bühnendarstellung, die dem ästhetischen Geschmack und der von zen-buddhistischen Idealen bestimmten geistigen Strenge der Samurai entsprach
Hat sich kaum in den 600 Jahren verändert. Hauptelemente wie Stückrepertoire, Inszenierungsstil und Schauspielkunst sind gleich geblieben.
Es geht auf der No-Bühne nicht in erster Linie darum, wie man das im Alltag Sichtbare darstellt, sondern darum, wie man eigentlich Unsichtbares sichtbar zum Ausdruck kommen lässt ( Zeami ).
Die Bühne soll nicht Nachahmung der äußeren Wirklichkeit zeigen, die nach buddhistischer Auffassung nur Schein ist, sondern das innere Wesen der Dinge, das durch Unwirklichkeit und Abstraktheit suggestiv erfahrbar ist.
Methode appelliert an Vorstellungskraft des Zuschauers und seine Bereitschaft und Empfänglichkeit für geradezu grenzüberschreitende psychologische Erfahrungen.
Charakteristika des Nō-Theaters
- alles bis in kleinste Detail durchorganisiert
- jedes Darstellungsmittel hat seine genau festgelegte Funktion
- Kleinrequisiten ( Schwert, Besen, Schirm usw. ) werden nur verwendet, wenn sie Wesentliches zum Spiel beisteuern und werden entfernt, sobald sie ihre Funktion erfüllt haben
- gibt keinen Regisseur oder Kostümbildner
- Bühne ist in ihrer Struktur und Maßen genau fesgtelegt
- Kostüme: sorgfältig ausgesucht und aus kostbarem Stoff, kunsthandwerkliche Meisterwerke. Stil lässt sich keiner Epoche zuordnen. Figuren aus sozial niederem Rang werden niemals ärmlich dargestellt, sondern symbolisch durch Mustern und Farben der Kostüme
- Augenmerk nicht auf menschlichen Körper, sondern vorrangig auf die Bewegungslinien, Schauspieler empfindet sein Kostüm als Herausforderung, gegen den er mit all seinen körperlichen Energien anzuspielen bestrebt
- Maske aus leichtem Holz des Hinoki-Baums ( jap. Zypresse ). Schauspieler zieht diese kurz vor Aufritt im Spiegelzimmer an. Vor dem Spiegel sitzend versenkt er sich in sein Spiegelbild mit der Maske, die die Rolle präsentiert. Psychologische Wandlung statt äußere Wandlung. Fassade, hinter der sich der Schauspieler versteckt um Anonymität zu gewinnen
- Musik: Hayashi aus drei oder vier Blas- und Schlaginstrumenten. Querflöte, zwei Sanduhrtrommeln und eine flache Fasstrommel zur Unterstreichung des Spiels, Spannung erzeugen.
- Stimme: qualifizierte Stimme nötig um eine Mischung aus Sprechen, Deklamieren ( ausgeprägt stilisierte Sprechweise, die sich rollentypischer Intonationsmodelle bedient ), Rezitieren ( durch Atem-, Sprechtechniken und Gesang ) und Singen mit allen denkbaren Zwischenstufen hervorzubringen
-> Zeami: „Erst die Intonation, zweitens die Atemorgane, drittens die Stimme“ Intonation, Tonhöhe und Akzentsetzung
Schauspielkunst
- Schauspieler hat auf Bühne das Gefühl, von allen Seiten durch unwiderstehlich mächtige Kräfte angezogen zu werden -> Körper in schwebenden Zustand
- Schauspieler muss sich nach allen Richtungen verteidigen, entwickelt unermesslich starke Energien ( von unsichtbaren Fäden gezogen )
- Kräfte sammeln sich in Hüfte
- Bei Fortbewegung Gleichgewicht halten, nicht punktuell sondern linearer Gang, Schritte folgen nahtlos
- hat ungewöhnliche Techniken. Bewegungen zeitlupenhaft, Aktionen und Gesten sehr sparsam und deuten vieles lediglich an. Von realen Vorbildern menschlichen Verhaltens abstrahiert. ( Weinen z.B. runterbeugen, Hand ans Gesicht mit gestreckten Fingern ) oder Eingießen von Wein durch Aneinanderhalten geöffneter Fächer
- Realismus und Naturalismus vermieden.
- Bühne hell erleuchtet, auch wenn Nacht ist
- Themen: Mythen, Legenden, historische Ereignisse
- Sprache: literarisch äußerst kunstvollen und assoziationsreichen Sprache mit vielen Anspielungen und wörtlichen Zitaten
- Grundlage für alles: Atemtechnik, Atmung vollkommen kontrolliert und körperliche Organe aufeinander abgestimmt










































