Archiv für März 30th, 2008
Projekt Sommernachtstraum
„Ein Sommernachtstraum“
Ein Projekt des Kurses Literatur und Theater am Bunsen-Gymnasium in Heidelberg
Handwerker und andere Darsteller toben in die Szene und leben ihr Lampenfieber und ihre Spielfreude aus. Sprachliches und gestisches Chaos.
Dazu:
Musik: Freche Farben (Ensemble Rossi) Alle rennen durcheinander bzw. ‚Soundballs’
Musik blendet aus ab 1:00
Szene 1: Rollenverteilung der Handwerker Alle anderen im Hintergrund, Fokus
außerhalb der Szene.
Rollenverteilung der Handwerker S. 14ff „Ist unsre ganze Gesellschaft beisammen?“…
Interview mit Theseus:
Reporter: Verehrter Theseus, du feierst in 4 Tagen Hochzeit mit Hippolita. Die ganze Stadt nimmt regen Anteil daran. Sag uns doch, wie es zu dieser Verbindung gekommen ist.
Theseus: Nun, ich habe Hippolita, wie jeder weiß, im Kampf besiegt, es blieb ihr also eigentlich nichts anderes übrig, als auf meine Bedingungen einzugehen. Aber das soll jetzt vergessen sein, wir wollen eine frohe Hochzeit feiern, mit Pomp, Triumph und mitternächtigem Spiel, an dem die Bürger und die Jugend von Athen ihren Anteil nehmen sollen.
Reporter: Dann wünschen wir viel Glück und melden uns wieder, um Sie, verehrtes Publikum über die Ereignisse auf dem Laufenden zu halten.
Musik: The Power (1)(mit power gehen, Raum fressen, evtl. Zweikampf „wer hat die Macht?“)
Stopp bei 1:00
Szene 2 Egeus möchte Hermia mit Demetrius verheiraten. Androhung der Todesstrafe.
Die Jugendlichen stellen sich vor. Eigene Texte. Alle anderen im Hintergrund
· Aggressivität bei Hermia und Lysander/
· Angepasstheit (er profitiert von der Macht) bei Demetrius
· Autoritäres Gehabe bei Egeus
Dann Szene von:
Egeus: „Hoch lebe Theseus“ (S 7) bis „Wir kommen gern, wie es unsere Pflicht ist.“ (S. 10)
Reporter: Meine Damen und Herren, hier eine Sondermeldung. In jüngster Zeit zeigen sich immer stärker seltsame Wetterphänomene, der natürliche Ablauf der Jahreszeiten scheint gestört, die Auswirkungen auf das Weltklima, somit auf Flora und Fauna werden immer dramatischer. Die Natur scheint sich zu rächen für menschliche Übergriffe und auch in der menschliche Gesellschaft herrscht zunehmend Konfusion über eine unerklärliche Häufung von Dürren und Überschwemmungen, die in vielen Teilen der Welt katastrophale Folgen haben.
Die Forschung ist sich über die Ursachen des Phänomens noch nicht ganz im Klaren, zu komplex sind die Zusammenhänge. Lassen Sie uns einen Beitrag zur Aufdeckung der Ursachen leisten und schauen wir uns einmal an, was sich in der Natur im Verborgenen abspielt.
Musik: Rammstein Eifersucht
Schnelle Bewegung, sich nicht den Rücken zuwenden, Misstrauen
ausblenden nach 1:14m
(Der Reporter hat sich an dieser Stelle als notwendig herausgestellt, damit Titania und Oberon überhaupt wieder zu Atem kommen)
Reporter: Meine Damen und Herren, hier eine Sondermeldung. In jüngster Zeit zeigen sich immer stärker seltsame Wetterphänomene, der natürliche Ablauf der Jahreszeiten scheint gestört, die Auswirkungen auf das Weltklima, somit auf Flora und Fauna werden immer dramatischer. Die Natur scheint sich zu rächen für menschliche Übergriffe und auch in der menschliche Gesellschaft herrscht zunehmend Konfusion über eine unerklärliche Häufung von Dürren und Überschwemmungen, die in vielen Teilen der Welt katastrophale Folgen haben.
Die Forschung ist sich über die Ursachen des Phänomens noch nicht ganz im Klaren, zu komplex sind die Zusammenhänge. Lassen Sie uns einen Beitrag zur Aufdeckung der Ursachen leisten und schauen wir uns einmal an, was sich in der Natur im Verborgenen abspielt.
Szene 3 Titania, Oberon
Oberon: „Schlimm trifft sichs unterm Mond,…“ S 18 bis „Nur Streit entsteht bei jedem weiteren Wort.“ S 21
Und:
Oberon: „Mein guter Puck , komm her. Kennst du die Blume noch? Ich zeigte sie dir einst!
Ihr Saft auf eines Schläfers Augenlidern erweckt in Mann wie Weib die tollste Liebe
zum ersten Wesen, das sie nachher sehn. Bring mir das Kräutlein, und sei wieder da, Eh
derLeviathan eine Meile schwimmt.
Puck: Vierzig Minuten, und ich leg’nen Gürtel rund um den Erdball!
Oberon: Hast du erst den Saft, belausche Titania, wenn sie schläft, und träufle ihn auf ihre Augen
dann. Das erste, was sie beim Erwachen sieht, Sie soll ihm folgen mit verliebtem Sinn.
Eh ich den Zauber lös von ihrem Aug.
Reporter: Meine Damen und Herren, hier eine Sondermeldung. Wie soeben bekannt wurde, sind Hermia und Lysander, sowie Demetrius und Helena aus Athen verschwunden. Ihr Verschwinden steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Sanktionen, die Hermia im Falle einer dauerhaften Bindung an Lysander zu erwarten hat. Helena hingegen ist wohl auf der Suche nach Demetrius, um ihn an der Verfolgung von Hermia und Lysander zu hindern und ihre Ansprüche auf ihn geltend zu machen, zumal er ihr ja die Ehe versprochen hat. Vermutlich halten sich die Flüchetenden in den dichten Wäldern um Athen auf. Sachdienliche Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.
Musik: Tom Waits, SeaofLove Anziehung, Ablehnung
ab 0:48 einzelne in freeze bis 1:15 nur noch Helena und Demetrius in Bewegung sind.
Die nicht an der Szene direkt beteiligten Darsteller bleiben als Bäume stehen
Szene 4: Helena, Demetrius: Streit
Helena: „Du ziehst mich an, hartherziger Magnet…“(S.22) bis: Demetrius: „Dich überlass ich
wilder Tiere Gnade.“ (S.23)
Gleich weiter mit Sensibilisierung ganze Gruppe:
Musik: Tuu, Exile
Gruppe geht in Zeitlupe blind. Bei Berührung (bzw. bei Geräusch) Erschrecken.
Wieder bleiben die anderen Darsteller als Bäume stehen.
ausblenden ab 1:23m
Szene: 5 Hermia und Lysander
Lysander: „Schöns Lieb, du bist erschöpft von diesem Wald…“ (S. 25) bis
Helena: „Das halbe Glück wünsch ich auf dich zurück!“ (S. 26)
Musik: Freche Farben (Ensemble Rossi)
Handwerker beschäftigen sich zur Musik., Butterbrote zeigen, bewundern, aufklappen, lachen, Bewunderung, große Angabe, Versuchen, Gesicht verziehen, auf die Finger hauen, Laurel und Hardy.
ausblenden ab 0:55
Handwerker bauen die Szene auf. Spiel mit stark gekürztem Text.
Auch ganz kurz: Zettel und Titania. (bis 33: dich lieb ich)
Reporter schon zur Musik und auch Musik solange der Reporter spricht:
Reporter: Meine Damen und Herren, leider ist noch keine Spur von Demetrius, Helena, Lysander und Hermia gefunden. Diskussionen über mangelnde Disziplin und fehlenden Gehorsam werden laut, konservative Kreise fordern, an den Jugendlichen ein Exempel zu statuieren. Dazu müssen sie erst einmal gefunden werden. Bis dahin schalten wir hinüber in den Wald, in dem sich angeblich eine Gruppe von Handwerkern treffen soll, die eine Überraschung planen, um die Gunst des Stadtherrn zu erwerben. Hoffen wir, dass sie sich dabei geschickter anstellen als bei ihrer Arbeit, damit wir nicht bald einen Disput über zu kurze Arbeitszeiten und die Einführung der 70Stundenwoche am Hals haben.
Szene 6 Handwerker proben im Wald
Von: Zettel: „Sind wir alle da?“ (S. 29) bis Squenz: „Gott steh dir bei, du bist transplantiert“ (S. 32) Flucht der Handwerker. Zettel singt das Lied vom Aurhahn.
Auch Zettel und Titania. (bis 33: dich lieb ich)
Während Zettel singt, wird er von Titania verführt. Dabei spiegelt sein Gesang die Berührungen Titanias.
Die Direktheit der Szene richtet sich nach der Phantasie der Darsteller.
Titania: „Weckt mich von meinem Blumenbett ein Engel?“ (S. 32) etc.
Musik: Reggae (A Wah)
Zauberspiegel zu Musik (Puck führt beide Pärchen vertauscht in eine Position auf der Bühne.) Standbild, das von Puck „zum Klingen“ gebracht wird.
Form der Textcollage. ausblenden ab 1:00m
7. Szene: Streit Lysander, Hermia, Demetrius, Helena
Puck: Das wird erst ein Hauptspaß sein,
Wenn gleich beide eine frein!
Denn mich freut am meisten das,
Was verdreht ist, kraus und krass. (S. 38)
Bis etwa: Helena: Hättet ihr Mitleid, Lebensart, Erbarmen,
Ihr hättet mich nicht so zum Spott gemacht. (S. 41)
Musik: Tuu „Djinn“
. Oberon zieht Puck an einer langen Leine zu sich her. Magic music (e.g.
Tuu “Djinn). ausblenden nach 1:00m
Oberon zieht Puck an einer imaginären Leine zu sich her und beschimpft ihn dann aus der Spannung heraus mit Subtext: Slang.
Puck versteht nicht, Oberon wechselt zu Shakespeare.
8. Szene: Oberon löst den Zauber
(Oberon: Unachtsam bist du, immerfort versehen, wenn’s nicht bewusste Bubenstreiche sind.
Puck: Einerseits bin ich frei von Schuld, denn jene deren Aug ich salbte, sind doch Athener. Andererseits bin ich froh, dass sich’s so fügte, weil ihre Zänkerei mich sehr vergnügt.) (S. 44/45)
Oberon: (Seite 45)
Führ diese Kampfhähne auf falsche Wege,
Dann kommen sie sich nicht mehr ins Gehege.
(…)
Wenn ihre Stirne totengleicher Schlaf
Mit bleiernem Fuß und Fledermausflügel traf,
Dann wasch mit dieser andern Blume Saft
Lysanders Augen. Er hat Zauberkraft,
Den Blick von allem Irrtum zu befrein
Und ihm die Klarheit wieder zu verleihen.
Wenn sie erwachen, soll dies ganze Spiel
Für sie nur wie ein Traum sein, ohne Ziel.
Die Paare solln zurück dann nach Athen,
Zum Glück vereint bis an ihr Ende gehen.
Indessen all dies deine Sorgen sind,
Bitt ich Titania um ihr indisches Kind,
Und dann will ich auch ihren Blick befrein
Von ihrem Scheusal – dann soll Frieden sein.
Reporter: (Während die Darsteller im Hintergrund ihre festlichen Kostüme anziehen, bzw.die Szene vorbereiten)
Liebe Zuschauer, nachdem Helena, Demetrius, Lysander und Hermia wieder nach Athen zurückgekehrt sind, steht dem fröhlichen Hochzeitsfest von Theseus und Hippolita nichts mehr im Wege. Demetrius hat seine alte Liebe zu Helena wiedergefunden, so dass auch dem Glück dieser beiden Paare nichts mehr im Wege stehen kann, zumal Theseus Egeus befohlen hat, dieser Verbindung nicht mehr im Wege zu stehen.
Wir schalten jetzt direkt um zu den Feierlichkeiten, die in diesem Augenblick beginnen müssen. Übrigens, Theseus wollte, dass das Stück von Pyramus und Tisbi zur Aufführung kommt, eine schöne Belohnung für die wackeren Handwerker, die tagelang um ihren Zettel bangen mussten, der im Wald von Athen unauffindbar blieb und von dem sogar das Gerücht ging, er sei in einen Esel verwandelt worden. Nun, heute morgen tauchte er Gottseidank wieder wohlbehalten auf und damit ist die Truppe wieder vollzählig.
Szene 9: Theseus feiert sein Fest und lädt die Handwerker zum Spiel ein.
Theseus: Kommt! Was für Spiele oder Tänze solln uns
Die endlosen drei Stunden jetzt vertreiben
Vom Nachtessen bis zum Zubettgehen?
Wo bleibt der Lenker unserer Lustbarkeiten?
Was gibt’s zu sehen? Ist kein Schauspiel da,
Das einer bangen Stunde Qual verkürzt?
(Seite 57)
Philostrates durch Demetrius ersetzt:
Nein, mein edler Herr,
Das ist kein Stück für Euch! Ich hab’s gehört,
Und es ist nichts, Herr, letztes Nichts auf Erden.
Außer, wenn Euch der gute Wille Spaß macht,
Den abgerackert haben sie sich redlich,
Um euch zu dienen.
Theseus: Ja, ich will es höre,
Denn nie kann etwas ganz und gar verfehlt sein,
Was Einfalt und ein treuer Sinn uns bringt.
Geh, sie sollen kommen! – Nehmt Platz! (Seite 58)
Musik: Frohe Farben/ Rossi
Sensibilisierung: einer hält eine Decke, um die Vorbereitungen zu verbergen. Hinter dieser Decke rennen alle wie verrückt herum, um scheinbar heimlich alles einzurichten. Evtl. Kostümteile, geduckt rennen, über die Decke schauen. Sinnlos Gegenstände platzieren, verändern, wieder umarrangieren.
Dann „Vorhang“ auf. ausblenden ab 1: 10
(Das haben die Darsteller bei der Aufführung geändert und einfach einen „Auftritt“ angekündigt, um einen Bogen zum späteren „Abtritt“ zu schlagen.)
Spiel der Handwerker
Squenz : „Falls wir euch nicht gefallen…“ (S. 59)
„Ihr edlen Leute…“ (S. 60)
Wand: „ In diesem selben Stück…“ (S. 60)
Pyramus: „O Nacht, so schwarz gefärbt!…“ bis „Verflucht sei’n deine Stein! Du täuschest mich!“ (S. 61)
Thisbe: „O Wand, wie oft hörst du…“ bis Pyramus: „…Zu spähn, ob ich nicht meiner Thisbi Antlitz hör. Thisbi!“ (S. 61)
Wand: „So hab ich Wand nun mein Geschäft beendet,
Worauf sich Wand zu ihren Abtritt wendet.“ (Seite 62)
Theseus: Recht schön, gute Leute, doch kommt zum Schluss nun.
Der eherne Mund der Mitternacht sprach Zwölf.
Zettel: Zum Schluss, gut, das bin ich, ich will nun also den Schluss geben:
Text Seite 64 unten
(Evtl. Pyramus und oder Tisbe bis „ade ade ade“ (Seite 66) (1. und letzte Strophe)
Zettel: beliebt es euch, den Epilog zu sehen?
Theseus: Kein Epilog, ich bitt euch, denn euer Spiel bedarf keiner Entschuldigung.
Des Dichters Auge rollt in edlem Wahnsinn, misst Himmel, Erde und dann wieder
Himmel; Die Kraft der Einbildung verkörpert ihm das Unbekannte, und des Dichters
Feder gibt allem Form und leiht dem Nichts aus Luft
Auf Erden einen Wohnsitz, einen Namen.
So üppig ist die starke Phantasie,
Dass sie, kaum dass sie eine Freude spürt,
Auch einen Bringer dieser Freude annimmt.
Oder bei Nacht denkt sie sich Schrecken her,
Wie leicht wird jeder Busch dann gleich ein Bär! (S.56f)
Ich trinke auf euer Wohl, ihr Freunde, habt Dank.
Alle: Gläser klingen.
Szene 10 Puck: Epilog Puck
Dada
Dada Manifest
dadaistisches manifest – Richard
Huelsenbeck
Die Kunst ist in ihrer Ausführung und Richtung von der Zeit
abhängig, in der sie lebt, und die Künstler sind Kreaturen ihrer Epoche. Die
höchste Kunst wird diejenige sein, die in ihren, Bewußtseinsinhalten die
tausendfachen Probleme der Zeit präsentiert, der man anmerkt, daß sie sich von
den Explosionen der letzten Woche werfen ließ, die ihre Glieder immer wieder
unter dem Stoß des letzten Tages zusammensucht. Die besten und enerhörtesten
Künstler werden diejenigen sein, die stündlich die Fetzen ihrer Leibes aus dem
Wirrsal der Lebenskatarakte zusammenreißen, verbissen in den Intellekt der
Zeit, blutend an Händen und Herzen.
Hat der Expressionismus unsere Erwartungen auf eine solche Kunst Kunst erfüllt,
die eine Ballotage unserer vitalsten Angelegenheiten ist?
Nein! Nein! Nein!
Haben die Expressionisten unsere Erwartungen auf eine Kunst erfüllt, die uns
die Essenz des Lebens ins Fleisch brennt?
Nein! Nein! Nein!
Unter dem Vorwand der Verinnerlichung haben sich die Expressionisten in der
Literatur und in der Malerei zu einer Generation zusammengeschlosses, die heute
schon sehnsüchtig ihre literatur- und kunsthistorische Würdigung erwartet und
für eine ehrenvolle Bürger-Anerkennung kandidiert. Unter dem Vorwand, die Seele
zu propagieren, haben sie sich im Kampfe gegen den Naturalismus zu den
abstrakt-pathetischen Gesten zurückgefunden, die ein inhaltloses, bequemes und
unbewegtes Leben zur Voraussetzung haben. Die Bühnen füllen sich mit Königen
Dichtern und faustischen Naturen jeder Art, die Theorie einer Melioristischen
Weltauffassung, deren kindliche, psychologisch-naivste Manier für eine
kritische Ergänzung des Expressionismus signifikant bleiben muß, durchgeistert
die tantenlosen Köpfe. Der Haß gegen die Presse, der Haß gegen die Reklame, der
Haß gegen die Sensation spricht für Menschen, denen ihr Sessel wichtiger ist
als der Lärm der Straße und die sich einen Vorzug daraus machen, von jedem
Winkelschieber übertölpelt zu werden. Jener sentimentale Widerstand gegen die
Zei, die nicht besser und nicht schlechter, nicht reaktionärer und nicht
revolutionärer als alle anderen Zeiten ist, jene matte Opposition, die nach
Gebeten und Weihrauch schielt, wenn sie es nicht vorzieht, aus attischen Jamben
ihre Pappgeschosse zu machen – sie sind Eigenschaften einer Jugend, die es
niemals verstanden hat, jung zu sein. Der Expressionismus, der im Ausland
gefunden, in Deutschland nach beliebter Manier eine fette Idylle und Erwartung
guter Pension geworden ist, hat mit dem Streben tätiger Menschen nichts mehr zu
tun. Der Unterzeichner dieses Manifests haben sich unter dem Streitruf
DADA!!!!
zur Propaganda einer Kunst gesammelt, von der sie die Verwirklichung neuer
Ideale erwarten. Was ist nun der DADAISMUS?
Das Wort Dada symbolisiert das primitivste Verhältnis zur umgebenden
Wirklichkeit, mit dem Dadaismus tritt eine neue Realität in ihre Rechte. Das
Leben erscheint als ein simultanes Gewirr von Geräuschen, Farben und geistigen
Rhythmen, das in die dadaistische Kunst unbeirrt mit allen sensationellen
Schreien und Fiebern seiner verwegenen Alltagspsyche und in seiner gesamten
brutalen Realität übernommen wird. Hier ist der scharf markierte Scheideweg,
der den Dadaismus von allen bisherigen Kunstrichtungen und vor allem von dem
FUTURISMUS trennt, den kürzlich schwachköpfe als eine neue Auflage
impressionistischer Realisierung aufgefaßt haben. Der Dadaismus steht zum
erstenmal dem Leben nicht mehr ästhetisch gegenüber, indem er alle Schlagworte
von Ethik, Kultur und Innerlichkeit, die nur Mäntel für schwache Muskeln sind,
in seine Bestandteile zerfetzt.
Das BRUITISTISCHE
Gedicht
schildert eine Trambahn, wie sie ist, die Essenz der Trambahn mit dem Gähnen
des Rentiers Schulze und dem Schrei der Bremsen.
Das SIMULTANISTISCHE
Gedicht
lehrt den Sinn des Durcheinanderjagens aller Dinge, während Herr Schulze liest,
fährt der Balkanzug über die Brücke bei Nisch, ein Schwein jammert im Keller
des Schlächters Nuttke.
Das STATISCHE Gedicht
macht die Worte zu Individuen, aus den drei Buchstaben Wald tritt der Wald mit
seinen Baumkronen, Försterlivreen und Wildsauen, vielleicht tritt auch eine
Pension heraus, vielleicht Bellevue oder Bella vista. Der Dadaismus führt zu
unerhörten neuen Möglichkeiten und Ausdrucksformen aller Künste. Er hat den
Kubismus zum Tanz auf der Bühne gemacht, er hat die BRUITISTISCHE Musik der
Futuristen (deren rein italienische Angelegenheit er nicht verallgemeinen will)
in allen Ländern Europas propagiert. Das Wort Dada weist zugleich auf die
Internationalität der Bewegung, die an keine Grenzen, Religionen oder Berufe
gebunden ist. Dada ist der internationale Ausdruck dieser Zeit, die große
Fronde der Kunstbewegungen, der künstlerische Reflex aller dieser Offensiven,
Friedenskongresse, Balgereien am Gemüsemarkt, Soupers im Esplanade etc. etc.
Dada will die Benutzung des
neuen Materials in
der Malerei.
Dada is ein CLUB, der in Berlin gegründet worden ist, in den man eintreten
kann, ohne Verbindlichkeiten zu übernehmen. Hier ist jeder Vorsitzender, und
jeder kann sein Wort abgeben, wo es sich um künstlerische Dinge handelt. Dada
ist nicht ein Vorwand für den ehrgeiz einiger Literaten (wie unsere Feinde
glauben machen möchten), Dada ist eine Geistesart, die sich in jedem Gespräch
offenbaren kann, so daß man sagen muß: Dieser ist ein DADAIST – jener nicht;
der Club Dada hat deshalb Mitglieder in allen Teilen der Erde, in Honolulu so
gut wie in New Orleans und Meseritz. Dadaist sein kann unter Umständen heißen,
mehr Kaufmann, mehr Parteimann als Künstler sein – nur zufällig Künstler sein -
Dadaist sein heißt, sich von den Dingen werfen lassen, gegen jede
Sedimentsbildung sein, ein Moment auf einem Stuhl gesessen, heißt, das Leben in
Gefahr gebracht haben (Mr. Wengs zog schon den Revolver aus der Hosentasche).
Ein Gewebe zerreißt sich unter der Hand, man sagt ja zu einem Leben, das durch
Verneinung höher will. Jasagen – Neinsagen: das gewaltige Hokuspokus des
Daseins beschwingt die Nerven des echten Dadaisten – so liegt er, so jagt er,
so radelt er – halb Pantagruel, halb Franziskus und lacht und lacht. Gegen die
ästhetisch-ethische Einstellung! Gegen die blutleere Abstraktion des
Expressionismus! Gegen die weltverbessernden Theorien literarischer Hohlköpfe!
Für den Dadaismus in Wort und Bild, für das dadaistische Geschehen in der Welt.
Gegen dies Manifest sein heißt Dadaist sein!
Tristan Tzara. Franz Jung. George Grosz. Marcel Janco. Richard Huelsenbeck.
Gerhard Preiß. Raoul Hausmann.
O. Lüthe. Frédéric Glauser. Hugo Ball. Pierre Albert Birot. Maria d’Arezzo. Gino Cantarelli. Prampolini. R. van
Rees. Madame van Rees. Hans Arp. G. Thäuber. Andrée Morosini. François
Mombello-Pasquati.
Dada Arp
Arp, Hans
1887-1966
Sekundenzeiger
daß ich als ich
ein und zwei ist
daß ich als ich
drei und vier ist
daß ich als ich
wieviel zeigt sie
daß ich als ich
tickt und tackt sie
daß ich als ich
fünf und sechs ist
daß ich als ich
sieben acht ist
daß ich als ich
wenn sie steht sie
daß ich als ich
wenn sie geht sie
daß ich als ich
neun und zehn ist
daß ich als ich
elf und zwölf ist.
Dada Schwitters
Gedicht Kurt Schwitters
b
f
bw
fms
bwre
fmsbewe
beweretä
fmsbewetä
p
beweretäzä
fmsbewetäzä
p
beweretäzäu
fmsbeweretäzäu
pege
fmsbewetäzäu
pegiff
Qui – E
Dada Schwitters
Unsittliches i-Gedicht
Dames-Hemden . . . . . . . . .
Dames-Pantalons, fransch model
Dames-Pantalons . . . . . . . .
Prima Dames Nachtponnen . . . .
Dames-Combinations . . . . . .
Heeren Hemden, zwaar graslinnen
Dada Schwitters
Sie puppt mit Puppen
Die Puppen puppen mit kleinen Puppen,
Die kleinen Puppen puppen mit winzigen Puppen,
Die winzigen Puppen puppen mit Püppchen,
Die Püppchen puppen mit kleinen Püppchen,
Die kleinen Püppchen puppen mit winzigen Püppchen,
Die winzigen Püppchen puppen,
Keiner puppt mit ihr.
Ah, Du meine Puppe,
Meine süße Puppe;
Mir ist alles schnuppe,
Wenn ich meine Schnauze
Auf die Deine – bauze.
Püppchen Schnüppchen
Puppe Schnuppe
Schnuppe bauze.
Die bäuzchen, Püppchen, Puppenfraun
Sie machen nur noch schnauze bauze.
Dada Schwitters
Das Urgebet der Scholle Kurt Schwitters
Schale
Schiller
Schale
Schule Schule Schule uhle
Scholle Scholle Scholle rolle
Schale Schale Schale scheele
mahle mahle mahle Mehl
male male male Malerei
alle alle alle allerlei
Dada Ball
Seepferdchen und Flugfische Hugo Ball
tressli bessli nebogen leila
flusch kata
ballubasch
zack hitti zopp
zack hitti zopp
hitti betzli betzli
prusch kata
ballubasch
fasch kitti bimm
zitti kitillabi billabi billabi
zikko di zakkobam
fisch kitti bisch
bumbalo bumbalo bumbalo bambo
zitti kitillabi
zack hitti zopp
treßli beßli nebogen grügrü
blaulala violabimini bisch
violabimini bimini bimini
fusch kata
ballubasch
zick hiti zop
Dada Ball
Karawane Hugo Ball
jolifanto bambla o falli bambla
großiga m’pfa habla horem
egiga goramen
higo bloiko russula huju
hollaka hollala
anlogo bung
blago bung blago bung
bosso fataka
ü üü ü
schampa wulla wussa olobo
hej tatta gorem
eschige zunbada
wulubu ssubudu uluwu ssubudu
tumba ba-umf
kusa gauma
ba – umf
Dada Schwitters
An Anna Blume Kurt Schwitters
Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- wir?
Das gehört beiläufig nicht hierher!
Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.
Laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.
Du trägst den Hut auf Deinen Füßen und wanderst auf die Hände,
Auf den Händen wanderst Du.
Halloh, Deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt,
Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich Dir.
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, —– wir?
Das gehört beiläufig in die kalte Glut!
Anna Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?
Preisfrage:
1. Anna Blume hat ein Vogel,
2. Anna Blume ist rot.
3. Welche Farbe hat der Vogel?
Blau ist die Farbe Deines gelben Haares,
Rot ist die Farbe Deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,
Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- wir!
Das gehört beiläufig in die —- Glutenkiste.
Anna Blume, Anna, A—-N—-N—-A!
Ich träufle Deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg.
Weißt Du es Anna, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten lesen.
Und Du, Du Herrlichste von allen,
Du bist von hinten, wie von vorne:
A——N——N——A.
Rindertalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken.
Anna Blume,
Du tropfes Tier,
Ich——-liebe——-Dir
Dada Huelsenbeck
‘Die Primitiven’ – Richard Huelsenbeck
„indigo indigo
„Trambahn Schlafsack
„Wanz und Floh
„indigo indigai
„umbaliska
„bumm DADAI
Dada Hugo Ball
‘Gadji beri bimba’ – Hugo Ball
gadji beri bimba glandridi laula lonni cadori
gadjama gramma berida bimbala glandri galassassa laulitalomini
gadji beri bin blassa glassala laula lonni cadorsu sassala bim
gadjama tuffm i zimzalla binban gligla wowolimai bin beri ban
o katalominai rhinozerossola hopsamen laulitalomini hoooo
gadjama rhinozerossola hopsamen
bluku terullala blaulala loooo
zimzim urullala zimzim urullala zimzim zanzibar zimzalla zam
elifantolim brussala bulomen brussala bulomen tromtata
velo da bang band affalo purzamai affalo purzamai lengado tor
gadjama bimbalo glandridi glassala zingtata pimpalo ögrögöööö
viola laxato viola zimbrabim viola uli paluji malooo
tuffm im zimbrabim negramai bumbalo negramai bumbalo tuffm i zim
gadjama bimbala oo beri gadjama gaga di gadjama affalo pinx
gaga di bumbalo bumbalo gadjamen
gaga di bling blong











